Ansichten eines Clowns

14.09.2017, Gießen

Ansichten eines Clowns

„ANSICHTEN EINES CLOWNS“ erzählt die Geschichte des Clowns Hans Schnier, offizielle Berufsbezeichnung „Komiker“ und seiner großen Liebe Marie. Hans Schnier ist 27 Jahre alt. Verletzt an Leib und Seele, verzweifelt, trunken sitzt er, während um ihn herum der Karneval tobt, auf einer der Eingangstreppen des Hauptbahnhofs von Bonn und schaut zurück auf sein Leben. Sein Rückblick beginnt im Jahre 1945. Hans Schnier ist zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre alt. Er stammt aus einer wohlhabenden Familie im Rheinland, die ihr Vermögen im Bergbau gemacht hatte. Seine ersten Kindheitserinnerungen sind geprägt vom Krieg und den letzten Jahren der Nazidiktatur. Seine Eltern – der Vater Mitläufer, die Mutter glühende Anhängerin des Führers – hatten seine ältere Schwester Henriette nicht davon abgehalten, sich als Flakhelferin zu melden, ganz im Gegenteil. Henriette stirbt kurz vor Kriegsende. Im Folgenden entscheidet sich Schnier, gegen alle Widerstände seiner zutiefst bürgerlichen Familie, Clown zu werden. Er bricht mit seiner Familie. Er verliebt sich in Marie, die Tochter eines alten Kommunisten, der in seinem kleinen Laden Schreibwaren und Zigaretten verkauft. Schnier hat anfangs Erfolg auf ganzer Linie. Er reist als freier Künstler durch die Lande, Marie begleitet ihn sechs lange Jahre lang. Doch Marie ist stark geprägt von ihrem katholischen Glauben und steht unter dem unheilvollen Einfluss alter Glaubensgenossen. Das führt zu Konflikten zwischen den Liebenden. Marie verlässt letztlich Schnier, heiratet einen katholischen Funktionär und der Clown verzweifelt und stürzt ab.

Der Roman „Ansichten eines Clowns“ von Heinrich Böll ist eine der berührendsten Liebesgeschichten der deutschen Nachkriegsliteratur und gleichzeitig die Geschichte über die Unmöglichkeit, die erdrückenden Konventionen, die Gesellschaften vorgeben, zu durchbrechen. Und er erzählt vom unheilvollen Einfluss falsch verstandener und radikaler Religiosität. So bleibt dieser Roman aktuell und ist immer noch ein wunderbarer Stoff für die Bühne.


Zum 100. Geburtstag von Heinrich Böll

Am 21. Dezember 2017 ist Heinrich Bölls hundertster Geburtstag.

Seit seinem Tod im Jahre 1985 hat es in Deutschland keinen vergleichbaren öffentlichen Intellektuellen mehr gegeben: Böll legte sich mit der politischen Rechten oder mit der katholischen Kirche ebenso an wie mit der Presse. Er setzte sich für Flüchtlinge aus Vietnam ein und für Dissidenten in Osteuropa. Er war Humanist, aber kein Moralist, und überzeugt, dass „Sprache, Liebe, Gebundenheit den Menschen zum Menschen machen“.

An sein Engagement und sein Werk will die Stiftung, die seinen Namen trägt, in den kommenden Monaten erinnern. Es wird sich zeigen: ein Künstler und Intellektueller, der aktueller ist, als mancher glauben mag.

Karten zu Euro 13,00, ermäßigt Euro 9,50 gibt es beim Stadttheater Gießen.

Gastspiel des Theaters Die Komödianten mit:

Mit Ivan Dentler in der Rolle von Hans Schnier unter der Regie von Christian Lugerth

Ansichten eines Clowns
Gastspiel des Theaters Die Komödianten
Donnerstag, 14. September 2017, 20:00 Uhr
Stadttheater Gießen, taT-studiobühne, Berliner Platz, Gießen