„Small is beautiful“ hieß eine programmatische Streitschrift von E. F. Schumacher aus den 1970er Jahren, in der eine Rückkehr zum menschlichen Maß gefordert wurde. Denn die immer größeren Strukturen, die vor allem in der Wirtschaft unsere Probleme lösen sollen, sind schon damals selbst problematisch gewesen und nicht nur geblieben, sondern gewachsen. In aller Regel führt Größe zu Machtkonzentration, verdrängt Vielfalt und ist häufig nicht nachhaltig, wie der Autor schon damals feststellte. Fand diese Haltung damals immer mehr Anhänger und mündete in die Gründung der Umweltbewegung, hat sich diese Einsicht im Laufe der Zeit doch stark verflüchtigt. Heute gibt es einen weitreichenden Konsens in der Politik, der zentralistische und große Strukturen bevorzugt. Dies zeigt sich sowohl in der Art, wie Energie erzeugt wird (Offshore-Windparks, Gaskraftwerke, Kohlekraftwerke und die jüngste Renaissance der Atomkraftdebatte) als auch in der Art, wie sie verteilt wird: Riesige Stromtrassen quer durch das ganze Land, die Milliarden kosten. Aber nicht diese Ausgaben werden von maßgeblichen Stimmen in diesem Land hinterfragt, sondern es sind eher Kosten, die im Zuge des Ausbaus nachhaltiger Energien entstehen, die im Fokus der Kritik stehen. Dazu gehören z.B. die sogenannten Redispatch-Gebühren, die anfallen, wenn Energieanlagen abgeregelt werden müssen, wenn Sonne und Wind mehr Energie erzeugen, als die Netze abtransportieren können. Die auf der Hand liegende Schlussfolgerung, die Speicherkapazitäten massiv auszubauen und mit dezentralen Märkten und Betreibern die Netze zu entlasten, wird aber nicht gezogen.
Dabei spielt sich unterhalb der Großstrukturen Bemerkenswertes ab, was aber, da es sich vor allem dezentral organisiert, nicht in den Fokus der breiten Öffentlichkeit gerückt ist. In der Bundesrepublik existieren nämlich mittlerweile über 2.000 Bürgerenergiegemeinschaften mit mehr als 500.000 Mitgliedern und bilden einen wichtigen Motor für die dezentrale Energiewende und ihre Demokratisierung. Auch in unserem Nachbarland Österreich steht der Ausbau der dezentralen Energieversorgung hoch im Kurs. „Bereits über 3.000 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG), über 500 Bürgerenergiegemeinschaften sowie über 3.000 Gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen sind bereits gegründet“, teilt die Österreichische Koordinierungsstelle für Energiegemeinschaften auf ihrer Homepage mit.
Warum also spielen die Bürgerinnen und Bürger eine so geringe Rolle in der Energiewende? Debatten und Politik kümmern sich um die großen Player und deren Interessen, obwohl auch unter demokratietheoretischen Gesichtspunkten dies keine wünschenswerte Entwicklung darstellt. Was muss geschehen, um die Richtung der Energiewende in Richtung Dezentralität zu verändern, die Gesellschaft stärker einzubinden und damit auch das System resilienter und unabhängiger zu machen?
Diese Veranstaltung wird über YouTube gestreamt. Den Link findet ihr rechtzeitig hier.
Diskussion mit:
Alaa Alhamwi MdB, Bündnis 90/Die Grünen
Stephan Heidler Leiter der Österreichischen Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften im Klima- und Energiefonds
Moderation:Gabriela Terhorst Stellvertretende Vorsitzende des BUND Landesverbandes Hessen (angefragt)
Astrid Aretz Institut für ökologische Wirtschaft, Projektleiterin „Bundesweite Bürgerenergie-Community für gemeinschaftsgetragene Energieversorgung in regionalen Innovations-Ökosystemen“
Werner Neumann Sprecher des Bundesarbeitskreises Energie des BUND und Mitglied im Vorstand des BUND-Landesverbandes Hessen


