Labor für performatives
Forschen 2014:
nachhaltig anders

27.11.2014 ?" 30.11.2014, Frankfurt/Main
Zeitgenössische Formen haben die Arbeitsweisen in den darstellenden Künsten grundlegend verändert. Viele Künstler_innen betrachten ihre Arbeit als Forschung, bei dem Umgang mit gesellschaftlichen Themen steht Recherche im Mittelpunkt. Doch es fehlen Möglichkeiten, sich grundlegend darüber auszutauschen und erworbenes Wissen weiterzugeben. Das Labor für performatives Forschen will dort ansetzen Dazu können die Teilnehmenden mit Künstler_innen und Wissenschaftler_innen in kleinen Laboren Themen erforschen.

Nach dem ersten Labor für performatives Forschen 2012, das „öffentliche Räume“ zum Thema hatte, beschäftigt sich das zweite mit einem Thema, das in Politik und Gesellschaft längst zum inhaltsleeren Floskel geworden ist: Nachhaltigkeit. Doch wird diese Begriff in verschiedenen politischen Bewegungen mittlerweile anders verstanden. Es geht weniger um Ökologie oder Umweltschutz, um Konsumverzicht oder Bioläden, sondern um ein gerechtes, solidarisches und ressourcenschonendes „gutes Leben“ im Weltmaßstab, um Ansätze alternativer Ökonomie.

Diese Ansätze in ihrer Ambivalenz können für die Darstellenden Künste nicht nur thematisch interessant sein. Sie werfen auch strukturelle Fragen für unsere Arbeits- und Lebensweise als Künstler_innen auf: Was sind Alternativen zur neoliberalen Selbstausbeutung? Wie kann Kritik an herrschenden Ökonomien nicht nur künstlerisch artikuliert werden?
Labor 1
Geheimagentur & London School of Financial Arts:
A Consultation

Vor zehn Jahren startete die geheimagentur in Frankfurt ihre erste Bank – die Bank of Burning Money. Inmitten der globalen Finanzkrise folgten dann die Schwarzbank Oberhausen und – unter dem Dach des Forschungstheaters (FUNDUS THEATER) – die Kinderbank Hamburg. 2014 wird es Zeit für eine Neupositionierung am Markt. Die geheimagentur lässt sich beraten und zwar von niemand geringerem als Brett Scott, dem Autor von „A Heretic’s Guide to Global Finance“ von der berühmten London School of Financial Arts. Die befindet sich – streng genommen – gerade erst in Gründung. Im Rahmen des Workshops schaltet sich die geheimagentur in das Geschehen ein: Gemeinsam eröffnen wir eine temporäre Dependance der LSFA am Bankenstandort Frankfurt. Und vielleicht folgt die geheimagentur dem Trend und macht in Zukunft auch mal auf Eliteuniversität. Bildung. Ist auch viel nachhaltiger, oder? Leitung: Sibylle Peters / Brett Scott

Labor 2
As We Are: Containern. Research as Performance

In einem Ansatz, der Research als Performance betrachtet, durchforsten wir die Stadt. Wir kommen als Gruppe. Wir testen Fragen. Wir schaffen Aufmerksamkeit: Im Schlafsack am Bahnhof, in Bittstellung auf der Zeil, an der Pfandrückgabe bei Penny. Wir intervenieren mit Humor und dokumentieren Erfahrung – die noch einmal performativ nutzbar wird. Verfahren und Thema des Labors gehen zurück auf die Produktion „Dumpster Diving“ von As We Are.
Leitung: Rebecca Egeling/ Iver Ohm

Labor 3
Martin Schick: TAMARA
(There Are Many Awesome Realistic Alternatives)

TAMARA ist die optimistische Reaktion auf das durch Margret Thatchers geprägte Omen und fortwährende gesellschaftliche Hindernis TINA (There Is No Alternative). Gemeinsam mit den Teilnehmern erweitert Martin Schick ein bestehendes Lexikon für alternative Ökonomien, die dann während dem Labor für den Kulturbetrieb umgedacht und angewandt werden. Dies geschieht einerseits anhand visionärer Skizzen für eine alternative Kunstproduktion generell, bestenfalls modellhaft für gesellschaftstaugliche Zusammenhänge, sowie auch ganz konkret anhand der Teilnahme am dem Labor selbst.
Leitung: Martin Schick/ Susanne Brehm

mit:

Labor 1:

Sibylle Peters

ist Kulturwissenschaftlerin, Performerin und Projektemacherin zwischen Kunst und Wissenschaft. Künstlerisch arbeitet sie mit der Gruppe Geheimagentur und demForschungstheater des Fundus Theaters. Im Graduiertenkolleg Versammlung und Teilhabe an der HafenCity Universität Hamburg ist sie Leiterin des Teilbereichs Kulturelle Bildung und Forschung.

Brett Scott

ist Aktivist, ehemaliger Börsenmakler und Autor des Buches The Heretic's Guide to Global Finance: Hacking the Future of Money. Er ist Spezialist für alternative Währungsmodelle und bloggt unter: suitpossum.blogspot.com.

Labor 2:

Rebecca Egeling

studierte Bühnentanz (FFM), Angewandte Theaterwissenschaft (Gießen) und Ökologie (Dartington) und arbeitet als Tanz-Dramaturgin, Performerin und Regisseurin. Unter dem Label As We Are produziert sie Performance an den Schnittstellen von Choreographie, Dokumentarischem Theater, Aktivismus, Bildender Kunst und künstlerischer Forschung über Themen von sozialer, politischer, ökonomischer oder ökologischer Relevanz.

Iver Ohm

ist freier Kunst- und Kulturwissenschaftler aus Wien und Berlin, ist zur Zeit unter anderem für die Universität für angewandte Kunst Wien, das ScienceCenter Netzwerk Österreich und die IG Kultur Wien sowie europaweit für verschiedene Kunst- und Kultur- und Urbanismusprojekte tätig.

Labor 3:

Martin Schick

ist ein international engagierter Performer und Choreograf. Seine Arbeiten sind Interventionen des Alltags, im Versuch, aus theatralen Ansätzen und Vorgängen reale Konsequenzen im und für den öffentlich/privaten Raum zu kreieren und visa versa!

Susanne Brehm

ist Gründungsmitglied des Leipziger "Konzeptwerk Neue Ökonomie", einem Thinktank für eine soziale, ökologische und demokratische Wirtschaft. Im Konzeptwerk entwickelt sie seither den Bildungsbereich mit, entwirft Methoden zum Thema und führt Projekttage und Workshops durch. 2014 war sie in einem Team von über 50 Personen an der Organisation der 4. Internationalen Degrowth-Konferenz in Leipzig beteiligt.
Labor für performatives
Forschen 2014:
nachhaltig anders
Donnerstag, 27. November 2014, 13:00 Uhr
Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstraße 4, Frankfurt/Main

Zeitplan

Donnerstag 27.11.
13:00 -14:00 Einleitung Jan Deck/ Vorstellung Künstler_innen
14:00 - 18:00 Labor 1-3 parallel
18:00 - 20:00 Gemeinsames Abendessen. Tischgast: Sibylle Peters
20:00 Theaterprogramm

Freitag 28.11.
10:00 - 13:00 Labor 1-3 parallel
13:00 - 14:00 Mittagessen
14:00 – 18:00 Labor 1-3 parallel
18:00 - 20:00 Gemeinsames Abendessen. Tischgast: Wissenschaftler_in Labor1
20:00 Theaterprogramm

Samstag 29.11.
10:00 – 13:00 Labor 1-3 parallel
13:00 – 14:00 Mittagessen
14:00 – 18:00 Labor 1-3 parallel
18:00 - 20:00 Gemeinsames Abendessen. Tischgast: Wissenschaftler_in Labor 2
20:00 Theaterprogramm

Sonntag 30.11.
10:00 – 13:00 Labor 1-3 parallel
13:00 – 15:00 Mittagessen. Tischgast: Wissenschaftler_in Labor 3
15:00 - 17:00 Präsentationen Workshops
17:00 – 18:00 Abschluss und Feedbackrunde
Änderungen möglich

Anmeldung
Um Anmeldung bis zum 20. November wird gebeten.
per mail: info@laprof.de
per Post: Jan Deck, Sandweg 8, 60316 Frankfurt

Bitte geben Sie an, welches Labor Sie besuchen wollen und eine Zweitwahl. Die Kapazitäten sind begrenzt, rechtzeitige Anmeldung wird empfohlen
Teilnahmebeitrag (incl. Verpflegung):
80 Euro regulär
50 Euro Studierende/ Schüler_innen/ Frankfurt Pass Inhaber_innen
40 Euro laPROF-Mitglieder/ FLUX-Beteiligte

Informationen unter 069-15024673 oder info@laprof.de

Kooperationspartner
Eine Veranstaltung von laPROF in Kooperation mit FLUX - Theater unterwegs in Hessen, dem Künstlerhaus Mousonturm und der Heinrich Böll Stiftung Hessen e.V.