Progressive Nostalgie:
In Erinnerung an Mark Fisher

13.02.2019, Frankfurt/Main

Die Geister seines Lebens hatten immer auch eine gesellschaftliche Dimension: Mark Fisher, britischer Kulturwissenschaftler und Theoretiker der „Hauntology“, war den Untoten und Wiedergängern auf der Spur, die die Popkultur heimsuchen. Uneingelöste Zukunftsentwürfe aus der Vergangenheit verstellen die Zukunft im Hier und Jetzt, so seine These, und verhindern Neuentwicklungen – z.B. in der aktuellen Musik, die zunehmend aus der Rekombination historischer Zitate besteht. Diese berechtigte Trauer um den unmöglichen Fortschritt trägt bisweilen nostalgische Züge, die sich oftmals an Idealen des Modernismus orientieren. Übersehen wir Fortschritt in der Gegenwart, wenn wir ihn an seinen Formen aus der Vergangenheit messen? Was bedeutet künstlerischer Fortschritt, und wie retro sind seine Referenzen?

Die Zukunft des Fortschritts

In den letzten Jahren konnte man sich des Gefühls der Stagnation kaum erwehren: während politische und soziale Kämpfe weitgehend als Abwehrkämpfe gegen den Rückbau bestehender gesellschaftlichen Errungenschaften geführt werden und neue Ideen, ein Zugewinn an menschlicher Emanzipation und Solidarität oder gar die Vision einer radikal anderen Gesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes als utopisch erscheinen, zielen auch technischen Entwicklungen nicht mehr darauf, neue gesellschaftliche Perspektiven aufzuzeigen.

Fortschritt, in der neoliberalen Marktideologie ohnehin nur noch als „Innovation“ oder „Wachstum“ vorstellbar, scheint sich in der Entwicklung von consumer electronics, dem alljährlichen Ersetzen eines Smartphones durch ein anderes und der Erfindung immer neuer und doch eigentlich immer gleicher Gadgets zu erschöpfen.

Spätestens seit der „Dialektik der Aufklärung“ oder Marcuses „Der eindimensionale Mensch“ ist das Verhältnis einer auf Emanzipation zielenden kritischen Theorie zu „technologischem Fortschritt“ und der Beherrschung äußerer und innerer Natur gebrochen. So wurde der Technologie attestiert, bis in ihre innerste Struktur kapitalistisch und von der Verewigung von Herrschaft und Zurichtung des Menschen geprägt zu sein. Zugleich galt sie weiterhin als Garant der Möglichkeit einer freien gesellschaftlichen Organisation. Der Vortrag fragt, wie sich dies angesichts heutiger Bio- und Technopolitiken darstellt. Sind DNA-Analysen, Datenbrillen, Smartphones für die Emanzipation zu gebrauchen? Oder müsste man nicht vielmehr mit Adorno sagen, Fortschritt ereigne sich dort, wo er endet?

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Progressive Nostalgie:
In Erinnerung an Mark Fisher
Mittwoch, 13. Februar 2019, 19:00 Uhr
basis e.v. ,Gutleutstraße 8-12, Frankfurt/Main
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