Rückkehrende aus dem Einsatz

Diskurse und Lebenswelten einer emergierenden sozialen Gruppe
07.07.2016 ?" 09.07.2016, Marburg

Die Auslandseinsätze der Bundeswehr und anderer Streitkräfte bringen militärische ebenso wie zivile Rückkehrer_innen hervor, die sich in einen professionellen und privaten Alltag reintegrieren müssen. Diese Gruppe, im militärischen Kontext in der Eigen- wie Fremdbezeichnung oft auch „Veteranen“ genannt, wird wachsen und an politischer ebenso wie soziokultureller Deutungsmacht gewinnen. Wissenschaftlich ist sie noch wenig untersucht, politisch ist sie brisant. Die Tagung soll der Erarbeitung von Forschungsansätzen auf diesen Gegenstand dienen und dabei nationale mit internationalen Perspektiven vergleichen. Zudem soll sie einen ersten Austausch der in diesem Feld international forschenden Wissenschaftler_innen dienen und eine Vernetzung ermöglichen.

Die Dispositive für Rückkehrer_innen sind ebenso verschieden wie ihre Einsatzgebiete in zivilgesellschaftlichen Organisationen (RO z.B. in der Entwicklungszusammenarbeit, NRO v.a. im humanitären Zusammenhang) und bei staatlichen Exekutivorganen (Polizei, Streitkräfte). Dabei bilden Einsatzrückkehrer_innen eine Gruppe, die sich sowohl hinsichtlich ihrer Erfahrungen (asymmetrische Kriegssituationen etc.) und ihrer Zusammensetzung (Männer und Frauen, militärisch und zivil) als auch kulturell und diskursiv signifikant von Vorgängergruppen (WKII Veteranen) unterscheidet. Trotz der diversen Kontexte und Dispositive lassen vergleichbare institutionelle Problemstellungen und subjektive Herausforderungen eine gemeinsame Reflexion der Situationen ziviler und militärischer Rückkehrer_innen sowohl notwendig als auch produktiv erscheinen.

Zum einen ist der Reintegrationsprozess nach dem Erleben von Extremsituationen sowie anderen Lebenswelten und Kulturen im Einsatz in den Blick zu nehmen. In diesem Zusammenhang soll diskutiert werden, zu welchen Anpassungsphänomenen es im Zuge der Wiedereingliederung in arbeitsweltliche, bürokratische und alltägliche Gegebenheiten der heimischen Kultur kommt und wie die Rückkehrer_innen von Familienmitgliedern, Freunden und Kolleg_innen wahrgenommen werden.

Zudem soll der Umgang staatlicher und gesellschaftlicher Institutionen mit Rückkehrer_innen thematisiert werden. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die auf Rückkehrer_innen bezogenen gesellschaftlichen und medialen Narrative. Dabei ist zum einen die Rolle pazifistischer, patriotischer und (post-)heroischer Diskurse zu untersuchen und zum anderen, welche Auswirkungen diese auf die Eigen- wie Fremdkonstituierung von Identitäten der Rückkehrer_innengruppen haben. Hinsichtlich der Rolle der Konstruktion von Auslandseinsätzen als Passageritus sowohl für berufliche Perspektiven als auch für die Zuschreibung von Deutungsmacht und Status sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen militärischem und zivilem Bereich eruiert werden. Rückkehrer_innen nehmen beispielsweise Einfluss auf die Wahrnehmung des Fremden, mit ihren Erfahrungen können Zuschreibungen eines Expert_innenstatus und Elitediskurse verbunden sein.

Die Tagung wird sich zudem den emergierenden Binnenkulturen von Rückkehrer_innen widmen. Zu fragen ist, inwieweit sich unter den zivilen wie militärischen Einsatzrückkehrenden Parallelgesellschaften mit eigenen Ritualen und eigenem Habitus, eigenen Strukturen und eigenem Codex entwickeln. Dabei ist auch die Rolle der Interessensvertretungen von Rückkehrer_innen (u.a. von Veteranenverbänden) relevant. Insbesondere sollen der Stellenwert bestehender Traditionen und Konzepte wie Ehre sowie ihre Modifikation und die Verschränkung von Intragruppeneinstellungen und –werten mit Kategorien wie gender, ethnicity, class und religion beleuchtet werden.

Anmeldung bis zum 15.06.2016 an: zfk-rade@staff.uni-marburg.de

Die Tagungsgebühr beträgt 20€, ermäßigt (für Studierende und Erwerbslose) 10€ und muss bis zum 23.07.2016 überwiesen werden. (Die Kontodaten werden Ihnen nach Anmeldung per Mail zugesandt.)

>>>Tagungsprogramm<<<

Rückkehrende aus dem Einsatz
Diskurse und Lebenswelten einer emergierenden sozialen Gruppe
Internationale Tagung
Donnerstag, 07. Juli 2016, 16:00 Uhr
Tagungszentrum des Deutschen Sprachatlasses, Pilgrimstein 16, Marburg
Kooperationspartner
Hauptveranstalter: Zentrum für Konfliktforschung der Universität Marburg (Prof. Dr. Thorsten Bonacker, Prof. Dr. Michael Daxner, Dr. Marion Näser-Lather)