Kunst im Exil

Gespräch mit Parastou Forouhar im Rahmen des Ausstellungsprojekts "Umkämpfte Erinnerungen"
08.06.2017, Frankfurt/Main

Kunst im Exil: Gespräch mit Parastou Forouhar

Parastou Forouhar lebte seit sieben Jahren in Deutschland, als sie die Nachricht von der Ermordung ihrer Eltern erhält. Am Abend des 21. November 1998 waren Dariusch und Parvaneh Forouhar in ihrem Haus in Teheran überfallen und erstochen wurden. Hinter den Morden der prominenten Oppositionspolitiker*innen und Intellektuellen steckte der Geheimdienst der Islamischen Republik Iran, umfassend aufgeklärt wurden sie bis heute nicht. Seither setzt Forouhar mit ihren Arbeiten immer wieder Akzente gegen das Vergessen, gegen politische Gewalt und staatliche Willkür in Iran. In ihrem politischen Aktivismus kämpft sie unter hohen persönlichen Risiken um Aufklärung der Morde vor Ort, jedes Jahr reist sie zum Todestag ihrer Eltern nach Teheran, um die Erinnerung an ihre Eltern wach zu halten.

Wir möchten uns mit der Veranstaltung der Frage nähern, wie eine Künstlerin im Exil lebt, arbeitet, widerständig ist. Wir möchten nach Parastou Forouhars Erfahrungen, ihren Verarbeitungsstrategien und die Rolle ihrer (politischen) Kunst fragen und zur Diskussion stellen, wie eine geeignete Unterstützung der Zivilgesellschaft aussehen kann.

Schuhe ausziehen. Erdrückende Behördengänge

Parastou Forouhar adaptiert Auszüge ihres zeichnerischen Essays „Schuhe ausziehen“ als Comic-Ausstellung eigens für die Bildungsstätte Anne Frank. In einem mit Comics umgebenen Raum zeichnet die deutsch-iranische Künstlerin ihren Kampf um Aufklärung der Morde an ihren Eltern nach. Im Zuge einer Welle politischer Morde in Iran war das prominente Oppositionspolitikerpaar am 22. November 1998 in seinem Haus in Teheran überfallen und erstochen worden. Strich für Strich erleben wir die Tochter bei ihrer Bemühung um Aufklärung – auf einer Odyssee durch die Instanzen der iranischen Bürokratie.

Parastou und Fantômas gegen die Auslöschung

In der ehemaligen Anne Frank-Ausstellung kämpft Parastou Forouhar gemeinsam mit dem genialen Schurken Fantômas gegen die tödlichenStrategien zur Auslöschung von Menschen und Erinnerungen in Iran.Szenen des Theaterstücks „Fantômas‘ Monster“ der Wiener Theatergruppe werden zum Comic transformiert. Die Videoinstallation von Jan Machacek lässt uns utopische Möglichkeitsräume der Wehrhaftigkeit und des Widerstands betreten.

Programmflyer

Gespräch mit:

Parastou Forouhar Parastou Forouhar wurde 1962 in Teheran geboren. Sie studierte an der Teheraner Kunstakademie und der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Seit 1991 lebt und arbeitet sie in Deutschland. Ihre Arbeiten wurden weltweit in diversen Museen gezeigt, unter anderem in der Nationalgalerie am Hamburger Bahnhof in Berlin, am Brooklyn Museum in New York, der Villa Stuck in München, dem MSK in Gent und dem San Telmo Museum in San Sebastián.

Moderation:

Konstanze Crüwell Journalistin, Frankfurt/Main

Kunst im Exil
Gespräch mit Parastou Forouhar im Rahmen des Ausstellungsprojekts "Umkämpfte Erinnerungen"
Gespräch
Donnerstag, 08. Juni 2017, 19:00 Uhr
Bildungsstätte Anne Frank, Hansaallee 150, Frankfurt/Main
Kooperationspartner
Bildungsstätte Anne Frank